Programm:
Die Anforderungen an die Personalausstattung stationärer und teilstationärer Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe werfen viele Fragen auf. Leistungserbringer bewegen sich in einem komplexen Gefüge aus fachlichen Erwartungen der betriebserlaubniserteilenden Behörden, verbindlichen Vorgaben der Arbeitszeitbehörden und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Entgeltfinanzierung. In der Praxis wird Personalbemessung dennoch häufig isoliert betrachtet, entweder als formale Voraussetzung für die Betriebserlaubnis oder als rechnerische Grundlage für eine Entgeltkalkulation. Dieses kompakte Online-Seminar führt diese Ebenen systematisch zusammen und konzentriert sich in vier intensiven Stunden auf die zentralen strategischen Fragestellungen.
Die Veranstaltung findet digital im Live-Format statt und ist bewusst auf den Zeitraum von 09:00 Uhr bis 13:00 Uhr begrenzt. Ziel ist es, in einem klar strukturierten, praxisnahen Format die wesentlichen Zusammenhänge zu vermitteln, ohne die Teilnehmenden zeitlich übermäßig zu binden. Das Online-Seminar ist inhaltlich verdichtet, interaktiv angelegt und ermöglicht zugleich Raum für Fragen und Diskussion.
In diesem Rahmen wird die Personalbemessung als strategisches Steuerungsinstrument analysiert. Ausgangspunkt ist die Frage, welche Anforderungen betriebserlaubniserteilende Behörden an Personalschlüssel, Fachkraftquoten, Leitungsanteile und organisatorische Strukturen stellen und wie diese Vorgaben in der Praxis interpretiert werden. Daran anschließend wird das Arbeitszeitrecht in seiner praktischen Relevanz für Schichtsysteme, Nachtbereitschaften, Rufdienste, Ruhezeiten und Ausgleichsregelungen eingeordnet. Es wird deutlich, dass eine rechnerisch plausible Personalausstattung nicht automatisch arbeitszeitrechtlich tragfähig ist.
Im weiteren Verlauf werden verbreitete Tabellenwerke wie z. B. BerTaPers aus Niedersachsen sowie Berechnungsansätze der Landesjugendämter in Nordrhein-Westfalen vergleichend betrachtet. Ziel ist es nicht, ein einzelnes Instrument zu schulen, sondern die zugrunde liegenden Berechnungslogiken zu verstehen. Welche Annahmen werden zur Nettoarbeitszeit getroffen, wie werden Ausfallzeiten berücksichtigt, welche Fachkraftanteile sind hinterlegt und welche Auswirkungen haben unterschiedliche Modelle auf den tatsächlich notwendigen Personalbestand? Durch diesen Vergleich gewinnen die Teilnehmenden ein vertieftes Verständnis für die Spielräume und Grenzen der jeweiligen Systeme.
Ein besonderer Fokus liegt auf typischen Spannungsfeldern der Praxis. Wie wirkt sich eine hohe Dokumentationsdichte auf den real verfügbaren Betreuungsanteil aus? Welche personellen Reserven sind notwendig, um krankheitsbedingte Ausfälle ohne strukturelle Überlastung aufzufangen? Und wie lassen sich diese Faktoren so in eine Personalbedarfsrechnung integrieren, dass sowohl Aufsichtsbehörden als auch Arbeitszeitkontrollen standhalten? Anhand konkreter Fallkonstellationen wird erarbeitet, wie rechnerische Modelle in belastbare Organisationsstrukturen übersetzt werden.
Darüber hinaus wird die Verbindung zur Entgeltverhandlung hergestellt. Personalbemessung beeinflusst unmittelbar die Wirtschaftlichkeit einer Einrichtung. Wer die Berechnungslogik nachvollziehen und begründen kann, verbessert seine Position in Gesprächen mit öffentlichen Trägern. Das Seminar zeigt auf, wie Personalplanung fachlich fundiert argumentiert und betriebswirtschaftlich eingeordnet werden kann.
Am Ende des vierstündigen Online-Seminars verfügen die Teilnehmer*innen über ein klares Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Betriebserlaubnisrecht, Arbeitszeitrecht und wirtschaftlicher Steuerung. Sie können unterschiedliche Berechnungsmodelle einordnen, ihre Auswirkungen bewerten und Personalbemessung als integralen Bestandteil verantwortungsvoller Führung gestalten.
Methoden:
Die Referent*innen arbeiten mit Vorträgen, Diskussionen, zahlreichen Praxis- und Fallbeispielen.
Die Referent*innen werden sich Zeit nehmen, um auf Ihre individuellen Fragestellungen einzugehen. Gerne können Sie uns auch im Vorfeld schriftlich Ihre Fragen mitteilen. Diese werden dann im Seminarverlauf behandelt und beantwortet.
Zielgruppe:
Die Veranstaltung richtet sich an Geschäftsführer*innen, Einrichtungsleitungen, Bereichsleitungen sowie verantwortliche Fach- und Verwaltungsmitarbeiter*innen freier und öffentlicher Träger der Kinder- und Jugendhilfe, die ihre Personalausstattung nicht nur formal erfüllen, sondern strukturell durchdringen und strategisch weiterentwickeln möchten.