Programm
Handlungssicherheit im Kinderschutz entsteht dort, wo Fachkräfte fundiertes Wissen, klare Verfahren und einen geschulten Blick für Risiken und Ressourcen zusammenbringen.
Kinderschutz stellt Fachkräfte regelmäßig vor Situationen mit hohem Handlungsdruck und großer Verantwortung. Eine einheitliche, abschließende Definition des Kindeswohls gibt es dabei nicht. Maßgeblich ist ein Handeln, das sich konsequent an den Grundbedürfnissen, den Grundrechten und dem Wohl des Kindes ausrichtet. Die UN-Kinderrechtskonvention bildet hierfür einen zentralen Bezugsrahmen, weil bei jeder Maßnahme, die Kinder betrifft, das Kindeswohl vorrangig zu berücksichtigen ist und alle verantwortlichen Personen den Kindern Schutz und Fürsorge zu gewährleisten haben.
Der Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung nach § 8a SGB VIII verpflichtet Leistungserbringer, bei gewichtigen Anhaltspunkten eine Gefährdungseinschätzung vorzunehmen und dabei eine insoweit erfahrene Fachkraft im Kinderschutz beratend hinzuzuziehen. Mit dem Ziel eines wirksameren Kinderschutzes hat der Gesetzgeber die rechtlichen Grundlagen in den letzten Jahren mehrfach nachgeschärft und die Anforderungen an Kooperation, Verfahren und Qualifikation erhöht. Für die Praxis bedeutet das konkrete Folgen bei der Ausgestaltung interner Abläufe, bei der Zusammenarbeit mit dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe und bei der Frage, wie Einschätzungen nachvollziehbar dokumentiert werden.
Besonders gefragt sind Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitswesens und der Schule, die diese Anforderungen im Alltag umsetzen und mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen verbinden müssen.
In diesem Zertifikatskurs machen Sie sich mit den aktuellen fachlichen und rechtlichen Grundlagen zur Kindeswohlgefährdung vertraut, frischen vorhandenes Fachwissen auf und erwerben die Kompetenzen, um in der eigenen Fallarbeit mit Familien in Gefährdungskontexten qualifiziert und besonnen zu handeln. Sie schärfen Ihren Blick für Risiken und Ressourcen und gewinnen Sicherheit darin, Hinweise auf eine Gefährdung zu erkennen, einzuschätzen und angemessen darauf zu reagieren.
Der Kurs ist modular aufgebaut und behandelt unter anderem die folgenden Themenfelder.
- Rahmenbedingungen und Grundlagen eines wirksamen Kinderschutzes
- Kindeswohl orientiert an Grundbedürfnissen, Grundrechten und der UN-Kinderrechtskonvention
- Woran erkennen Sie gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung im eigenen Arbeitsfeld
- Gefährdungseinschätzung und rechtliche Rahmenbedingungen im Kinderschutz
- Der Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII und die Rolle der insoweit erfahrenen Fachkraft
- Wie gestalten Sie das Zusammenwirken mit dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe rechtssicher
- Systematische Einschätzung von Risiken und Ressourcen in Familien
- Kontakt im Konflikt und der Umgang mit problematischen Gesprächen
- Wie führen Sie schwierige Gespräche mit Eltern, Kindern und Jugendlichen konstruktiv
- Kooperation im Hilfesystem und tragfähige Zusammenarbeit an Schnittstellen
- Umgang mit belastenden und schwierigen Fallverläufen
- Nachvollziehbare Dokumentation von Einschätzung und Entscheidung
- Reflexion der eigenen Rolle und Grenzen der Verantwortung
Mit dem Kurs verfolgen Sie die folgenden Ziele.
- Sie handeln bei Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung rechtssicher und fachlich fundiert
- Sie schätzen Gefährdungslagen strukturiert ein und leiten angemessene Schritte ab
- Sie gestalten Gespräche in Konfliktsituationen professionell und beziehungsorientiert
- Sie nutzen Kooperation im Hilfesystem als Ressource für den Schutz des Kindes
Methoden
Der Kurs verbindet fachliche Vorträge mit moderierten Diskussionen und zahlreichen Praxis- und Fallbeispielen, sodass Sie theoretisches Wissen unmittelbar auf Ihren eigenen Arbeitsalltag übertragen können. In Übungen und im kollegialen Austausch bearbeiten Sie konkrete Fallkonstellationen und reflektieren eigene Erfahrungen. Die Referent*innen nehmen sich Zeit für individuelle Fragestellungen und gehen gezielt auf die Situationen der Teilnehmer*innen ein. Fragen können Sie gern vorab schriftlich einreichen, damit diese im Kurs berücksichtigt werden. Nach dem modular aufgebauten Abschluss erhalten Sie das Zertifikat »Fachkraft im Kinderschutz«.
Zielgruppe
Der Intensivkurs richtet sich an Fachkräfte und Leitungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie an Mitarbeiter*innen bei Leistungserbringern, die mit Kindern, Jugendlichen und Familien in Gefährdungskontexten arbeiten. Angesprochen sind ebenso Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, aus Schulen und aus Beratungsstellen, die den Schutzauftrag in der Praxis mit ausgestalten. Der Kurs eignet sich für Berufseinsteiger*innen, die sich systematisch qualifizieren möchten, ebenso wie für erfahrene Fachkräfte, die ihr Wissen auffrischen und vertiefen wollen. Die mehrtägige Präsenzveranstaltung auf Norderney bietet dafür einen konzentrierten Rahmen mit Raum für intensiven fachlichen Austausch.
Übernachtungskosten und Vollverpflegung sind im Veranstaltungspreis enthalten.