Programm
Wenn Leistungen erbracht sind, das Geld aber wochenlang auf sich warten lässt, gerät die Liquidität von Leistungserbringern in den Kinder- und Jugendhilfen und der Eingliederungshilfe schnell unter Druck.
Leistungserbringer stehen vor der Herausforderung, laufende Personal- und Sachkosten fristgerecht zu decken, während Entgeltforderungen gegenüber den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe oder den Leistungsträgern der Eingliederungshilfe erst mit deutlichem zeitlichem Verzug beglichen werden. Prüfroutinen der Kostenträger, Rückfragen zu Nachweisen und komplexe Abrechnungswege verlängern die Zahlungsziele zusätzlich. Gerade wachsende und neu gegründete Einrichtungen spüren diese Finanzierungslücke besonders deutlich.
Factoring bezeichnet den laufenden Verkauf offener Forderungen an einen Factor, der den Rechnungsbetrag sofort bevorschusst und je nach Vertragsart auch das Ausfallrisiko übernimmt. Zu unterscheiden sind das echte Factoring, bei dem der Factor das Delkredererisiko trägt, und das unechte Factoring, bei dem dieses Risiko beim Leistungserbringer verbleibt. Für die Sozialwirtschaft ist die Konstellation besonders, weil die Schuldner in aller Regel öffentliche Kostenträger sind und die zugrunde liegenden Entgelte auf Vereinbarungen nach dem SGB VIII sowie dem SGB IX in der Fassung des BTHG beruhen.
Daraus ergeben sich Fragen zur Vertragsgestaltung, zur Abtretbarkeit sozialrechtlicher Forderungen, zur Behandlung von Kürzungen und Rückforderungen sowie zur Wirkung auf Jahresabschluss und Eigenkapital. Wer diese Punkte klärt, kann Factoring gezielt als Instrument der Finanzplanung einsetzen.
In diesem Live-Webinar erhalten Sie einen fundierten Überblick über die Funktionsweise, die Vertragsvarianten und die praktischen Fallstricke des Factorings in Ihrem Arbeitsfeld. Sie lernen, Angebote von Factoring-Anbietern zu bewerten, Kosten und Nutzen realistisch einzuschätzen und die Auswirkungen auf Ihre Abrechnungsprozesse zu steuern.
Die Fortbildung behandelt die folgenden Schwerpunkte im Einzelnen.
- Grundbegriffe und Funktionsweise des Factorings im Kontext der Sozialwirtschaft
- Unterschiede zwischen echtem und unechtem Factoring sowie deren Folgen für die Risikoverteilung
- Besonderheiten beim Ankauf sozialrechtlicher Entgeltforderungen aus SGB VIII und SGB IX
- Welche Forderungen kaufen Factoring-Anbieter tatsächlich an und welche nicht
- Wie wirkt sich ein Forderungsverkauf auf Liquidität, Eigenkapital und Bilanz aus
- Zentrale Klauseln im Factoringvertrag zu Laufzeit, Mindestumsatz und einbezogenen Forderungen
- Rechtliche Zulässigkeit und Grenzen der Abtretung gegenüber öffentlichen Kostenträgern
- Wie werden Kürzungen, Rückforderungen und strittige Positionen im Factoring behandelt
- Kostenbestandteile des Factorings und ihre betriebswirtschaftliche Bewertung
- Auswirkungen auf das eigene Forderungs- und Debitorenmanagement
- Datenschutz und Informationspflichten gegenüber Leistungsträgern und Klient*innen
- Wann lohnt sich Factoring für kleine und für wachsende Leistungserbringer
- Alternativen und ergänzende Instrumente zur Sicherung der Liquidität
Mit dieser Fortbildung verfolgen Sie die folgenden Ziele.
- Sie können Chancen und Risiken des Factorings für Ihre Einrichtung eigenständig einschätzen
- Sie erkennen kritische Vertragsklauseln und verhandeln sicherer mit Anbietern
- Sie beurteilen die betriebswirtschaftlichen Folgen für Liquidität und Jahresabschluss
- Sie gestalten Ihre Abrechnungsprozesse passend zum gewählten Factoringmodell
Referent*innen:
Die Referent*innen nehmen sich ausdrücklich Zeit für Ihre individuellen Fragestellungen und gehen auf konkrete Situationen aus Ihrer Praxis ein.
Methoden
Die Fortbildung verbindet fachliche Vorträge mit moderierten Diskussionen und zahlreichen Praxis- und Fallbeispielen. Anhand konkreter Vertrags- und Abrechnungssituationen werden die Inhalte anschaulich vermittelt, sodass Sie das Gelernte unmittelbar auf Ihre eigene Einrichtung übertragen können. Der interaktive Charakter des Live-Webinars lässt Raum für Ihre Rückfragen und den Austausch untereinander.
Zielgruppe
Angesprochen sind Geschäftsführungen, kaufmännische Leitungen, Verwaltungs- und Finanzverantwortliche sowie Fachkräfte im Rechnungswesen und in der Abrechnung von Leistungserbringern in den Kinder- und Jugendhilfen und der Eingliederungshilfe. Die Fortbildung eignet sich für ambulante, teilstationäre und stationäre Einrichtungen ebenso wie für Gründer*innen, die den Aufbau ihrer Finanzierung vorausschauend planen möchten. Für die Teilnahme sind keine Vorkenntnisse im Factoring erforderlich.