Programm:
Eine belastbare Risikoanalyse ist heute die tragende Säule jedes wirksamen Gewaltschutzkonzepts und damit die zentrale Voraussetzung für den Erhalt Ihrer Betriebserlaubnis.
Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz wurde das Vorliegen eines Gewaltschutzkonzepts für betriebserlaubnispflichtige Einrichtungen zur verbindlichen Pflichtaufgabe. Grundlage jedes tragfähigen Konzepts ist eine individuelle, einrichtungsbezogene Risikoanalyse, die fortlaufend überprüft und angepasst wird. Für Leistungserbringer in den Kinder- und Jugendhilfen bedeutet das, dass abstrakte Schutzversprechen nicht mehr genügen und die Aufsichtsbehörden eine nachvollziehbare, methodisch saubere Analyse von Risiken und Schutzfaktoren erwarten.
In der Praxis zeigt sich, dass viele Konzepte an genau dieser Stelle Schwächen aufweisen. Häufig bleiben Risikoanalysen an der Oberfläche, werden einmalig erstellt und dann nicht mehr weiterentwickelt, oder sie berücksichtigen die spezifischen räumlichen, personellen und konzeptionellen Bedingungen der jeweiligen Einrichtung nicht ausreichend. Die Anforderungen aus § 45 Abs. 2 Nr. 4 SGB VIII sowie die begleitende Struktur des § 79a SGB VIII verlangen jedoch eine systematische, gelebte und dokumentierte Auseinandersetzung mit möglichen Gefährdungslagen.
Hinzu kommt der Anspruch, Risiken nicht nur zu benennen, sondern sie nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensschwere zu bewerten und zu priorisieren. Genau hier setzt der Risikograph als strukturierte Bewertungsmethode an, mit der sich Gefährdungen sichtbar machen, gewichten und in konkrete Präventions- und Interventionsmaßnahmen überführen lassen.
In diesem Intensivseminar lernen Sie, eine sichere und praxistaugliche Risikoanalyse eigenständig zu erstellen und methodisch mit dem Risikograph zu unterlegen. Sie erhalten einen klaren Fahrplan, um Ihr Gewaltschutzkonzept auf ein belastbares analytisches Fundament zu stellen, gegenüber dem Jugendamt zu begründen und im Alltag Ihrer Einrichtung wirksam zu verankern.
Das Seminar behandelt die folgenden Schwerpunkte und Praxisfragen.
- Welche rechtlichen Anforderungen sich aus § 45 und § 79a SGB VIII an eine Risikoanalyse ergeben
- Wie sich eine einrichtungsbezogene Risikoanalyse Schritt für Schritt aufbauen lässt
- Welche Rolle Zweck, Zielgruppe, fachliches Profil, Größe, Räumlichkeiten und Ausstattung für die Bewertung spielen
- Wie der Risikograph als Instrument zur Bewertung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensschwere funktioniert
- Wie Sie Gefährdungssituationen identifizieren, gewichten und nachvollziehbar priorisieren
- Woran Sie besonders sensible Situationen im pädagogischen Alltag erkennen
- Wie eine partizipative Analyse Mitarbeiter*innen und junge Menschen sinnvoll einbezieht
- Wie Sie eigene blinde Flecken in der Organisation aufdecken
- Wie aus Analyseergebnissen konkrete Präventions- und Interventionsmaßnahmen abgeleitet werden
- Wie Sie die Verbindung zu Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren herstellen
- Welche Bezüge zur Eingliederungshilfe nach SGB IX und zum BTHG in inklusiven Angeboten zu beachten sind
- Wie Sie den fortlaufenden Überprüfungskreislauf der Risikoanalyse organisieren
- Wie Sie Ihre Analyse revisionssicher dokumentieren und gegenüber der Aufsicht begründen
- Welche typischen Fehler die Betriebserlaubnis gefährden
Die Referent*innen nehmen sich ausdrücklich Zeit für Ihre individuellen Fragestellungen und die Besonderheiten Ihrer Einrichtung. Gern können Sie Ihre Fragen bereits vorab schriftlich einreichen, damit diese im Seminar gezielt aufgegriffen werden.
Methoden:
Methodisch verbindet die Veranstaltung fachliche Vorträge mit moderierten Diskussionen sowie zahlreichen Praxis- und Fallbeispielen. Sie arbeiten an konkreten Konstellationen aus dem Einrichtungsalltag und erproben den Risikograph an realistischen Szenarien, sodass Sie das Erlernte unmittelbar auf Ihre eigene Praxis übertragen können.
Zielgruppe:
Angesprochen sind Leitungs- und Fachkräfte von Leistungserbringern in den stationären und teilstationären Kinder- und Jugendhilfen sowie in inklusiven Angeboten der Eingliederungshilfe, ebenso Qualitäts- und Kinderschutzbeauftragte, pädagogische Leitungen und Mitarbeiter*innen der Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Das Seminar eignet sich zudem für Gründer*innen, die eine Betriebserlaubnis anstreben. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Dr. Frank Plaßmeyer: Dipl. Betriebswirt, Geschäftsführender Gesellschafter der IJOS GmbH
Elli Plaßmeyer: Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen (M.A.), Sozialwissenschaftlerin (B.A.), Social Media Managerin (IHK). Geschäftsführerin der IJOS GmbH
Annika Robert: Soziale Arbeit (B.A.), zertifizierte Kinderschutzfachkraft, in Weiterbildung zur systemischen Beraterin/Therapeutin.