Programm
Wenn Verhandlungen über Entgelte und Vergütungen scheitern, entscheidet auf Antrag die Schiedsstelle. Wer gut vorbereitet ist, sichert wirtschaftliche Grundlagen und fachliche Qualität zugleich.
Leistungserbringer in der Kinder- und Jugendhilfe sowie in der Eingliederungshilfe geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Steigende Personal- und Sachkosten, Tarifentwicklungen und knappe öffentliche Haushalte führen dazu, dass Vergütungs- und Entgeltverhandlungen mit den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe oder mit den Trägern der Eingliederungshilfe häufiger stocken oder ganz scheitern. Kommt keine Einigung zustande, rückt das Schiedsstellenverfahren in den Mittelpunkt.
Die Schiedsstelle nach § 78g SGB VIII ist als vorgerichtliche Instanz ausgestaltet und in den Ländern über eigene Verordnungen näher geregelt. In der Eingliederungshilfe wurde mit § 133 SGB IX im Zuge der zweiten Reformstufe des Bundesteilhabegesetzes zum 1. Januar 2018 eine vergleichbare Struktur geschaffen. In beiden Bereichen sind die Schiedsstellen paritätisch mit Vertreter*innen der Leistungserbringer und der öffentlichen Seite sowie einer oder einem unparteiischen Vorsitzenden besetzt.
Die aktuelle verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung zeigt, dass Schiedssprüche regelmäßig überprüft und angefochten werden. Damit steigen die Anforderungen an eine belastbare Kalkulation, an eine schlüssige Darlegung der Gestehungskosten und an ein prozesssicheres Auftreten im Verfahren. Wer Fristen, Antragsvoraussetzungen und Beweislasten nicht kennt, riskiert vermeidbare Nachteile.
In dieser Fortbildung erwerben Sie das Handwerkszeug, um ein Schiedsstellenverfahren souverän vorzubereiten und zu führen. Sie lernen, Ihre Position wirtschaftlich und rechtlich fundiert aufzubereiten, typische Fehler zu vermeiden und die Erfolgsaussichten realistisch einzuschätzen.
Die Fortbildung vermittelt Ihnen praxisnah die zentralen Inhalte für ein erfolgreiches Verfahren.
- Sie verstehen den rechtlichen Rahmen der Schiedsstellen nach § 78g SGB VIII und § 133 SGB IX im Vergleich
- Sie erkennen, wann eine Verhandlung als gescheitert gilt und der Weg zur Schiedsstelle eröffnet ist
- Welche Fristen und Antragsvoraussetzungen müssen Sie zwingend beachten
- Wie bereiten Sie eine nachvollziehbare Kalkulation der Gestehungskosten auf
- Sie stellen Ihren Antrag vollständig und prozesssicher zusammen
- Welche Unterlagen und Nachweise überzeugen die Schiedsstelle
- Sie kennen den typischen Ablauf einer mündlichen Verhandlung
- Wie tragen Sie strittige Punkte klar und wirtschaftlich begründet vor
- Sie ordnen die Reichweite und die Grenzen eines Schiedsspruchs richtig ein
- Welche Möglichkeiten der gerichtlichen Überprüfung bestehen und wann sie sinnvoll sind
- Sie schätzen Kosten, Risiken und Erfolgsaussichten realistisch ein
- Wie sichern Sie sich bereits in der Verhandlungsphase eine gute Ausgangslage für ein späteres Verfahren
- Sie lernen aus aktuellen Entscheidungen der Verwaltungsgerichte für Ihre eigene Praxis
Die Referenten nehmen sich ausdrücklich Zeit für Ihre individuellen Fragestellungen und gehen auf konkrete Konstellationen aus Ihrem Arbeitsalltag ein. Gerne können Sie Ihre Fragen bereits vorab schriftlich einreichen, damit diese in der Fortbildung gezielt aufgegriffen werden.
Referenten:
Methoden:
Methodisch verbindet die Veranstaltung kompakte Fachvorträge mit moderierten Diskussionen und zahlreichen Praxis- und Fallbeispielen. Anhand konkreter Konstellationen erarbeiten Sie gemeinsam Lösungswege und übertragen diese auf Ihre eigene Einrichtung. Als Halbtagsveranstaltung im hybriden Format können Sie flexibel in Präsenz oder online teilnehmen.
Zielgruppe:
Die Fortbildung richtet sich an Geschäftsführungen, Einrichtungsleitungen, kaufmännische Leitungen sowie an Fachkräfte in Verhandlung und Controlling bei Leistungserbringern in den Kinder- und Jugendhilfen und in der Eingliederungshilfe. Angesprochen sind Verbände sowie stationäre, teilstationäre und ambulante Anbieter. Auch für Gründer*innen und neu in das Thema einsteigende Mitarbeiter*innen ist die Veranstaltung geeignet, da die Grundlagen systematisch vermittelt werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.