Programm
Die Tagesgruppe nach § 32 SGB VIII erlebt in vielen Regionen ein Comeback, und wer sie fachlich tragfähig und wirtschaftlich solide aufstellen will, braucht jetzt Klarheit über Recht, Kalkulation und Konzept.
Nach Jahren, in denen ambulante Angebote und Vollzeitpflege im Vordergrund standen, richten Jugendämter und Leistungserbringer den Blick wieder verstärkt auf die teilstationäre Hilfe zur Erziehung. Die Erziehung in einer Tagesgruppe ist eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe und gehört zu den Hilfen zur Erziehung nach § 27 SGB VIII, konzeptionell zwischen Sozialer Gruppenarbeit und Heimerziehung angesiedelt und als teilstationäre Hilfe bezeichnet. Genau diese Zwischenstellung macht sie für Fachkräfte anspruchsvoll und für die Jugendhilfeplanung attraktiv.
Der gesetzliche Auftrag ist eng umrissen. Die Hilfe zur Erziehung in einer Tagesgruppe soll die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen durch soziales Lernen in der Gruppe, Begleitung der schulischen Förderung und Elternarbeit unterstützen und dadurch den Verbleib des Kindes oder des Jugendlichen in seiner Familie sichern. Für jüngere Kinder kommt zudem die Familienpflege als geeignete Form der teilstationären Erziehungshilfe in Betracht. Daraus ergeben sich unmittelbare Anforderungen an Personalbemessung, Tagesstruktur, Schulkooperation und die Zusammenarbeit mit dem Herkunftssystem.
Wirtschaftlich steht und fällt das Angebot mit der Vereinbarung nach den §§ 78a bis 78g SGB VIII. Die Entgelte müssen leistungsgerecht sein, und Grundlage der Entgeltvereinbarung sind die in der Leistungs- und der Qualitätsentwicklungsvereinbarung festgelegten Leistungs- und Qualitätsmerkmale. Wer hier unpräzise kalkuliert oder das Leistungsprofil nicht sauber beschreibt, riskiert unterfinanzierte Plätze, Konflikte mit dem Leistungsträger und eine gefährdete Refinanzierung.
Sie erhalten in diesem Onlineseminar einen kompakten Überblick über die Rechtsgrundlagen, die Kalkulationslogik und die Konzeptbausteine einer Tagesgruppe. Sie lernen, ein belastbares Leistungs- und Qualitätsprofil zu formulieren, eine leistungsgerechte Entgeltkalkulation vorzubereiten und Ihre Konzeption so aufzustellen, dass sie fachlichen Standards und den Erwartungen der Leistungsträger standhält.
Im Mittelpunkt stehen die folgenden Themen und Praxisfragen.
- Rechtliche Einordnung der Tagesgruppe nach § 32 SGB VIII im Gefüge der Hilfen zur Erziehung
- Abgrenzung zwischen ambulanter, teilstationärer und stationärer Hilfe im Einzelfall
- Wann eignet sich die Tagesgruppe, und wann ist die Familienpflege nach § 32 Satz 2 SGB VIII die passende Form
- Ausgestaltung von sozialem Lernen in der Gruppe, schulischer Förderung und Elternarbeit
- Sicherung des Verbleibs in der Familie als Zielrichtung der Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII
- Warum kehren viele Regionen aktuell zur Tagesgruppe zurück, und was folgt daraus für Leistungserbringer
- Aufbau einer tragfähigen Konzeption mit Zielgruppe, Aufnahmekriterien und Tagesstruktur
- Personalbemessung, Gruppengröße und Qualifikationsanforderungen realistisch planen
- Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsentwicklungsvereinbarung nach den §§ 78a bis 78g SGB VIII vorbereiten
- Wie kalkulieren Sie ein leistungsgerechtes Entgelt nach § 78c SGB VIII
- Welche Leistungs- und Qualitätsmerkmale gehören zwingend in die Vereinbarung
- Umgang mit Belegungsschwankungen, Auslastung und wirtschaftlichem Risiko
- Kooperation mit Schule, Jugendamt und weiteren Beteiligten wirksam gestalten
- Typische Fehler in Konzept und Kalkulation und wie Sie diese vermeiden
Sie verfolgen mit der Teilnahme insbesondere die folgenden Ziele.
- Sie ordnen die Tagesgruppe rechtssicher in das SGB VIII ein
- Sie entwickeln eine schlüssige Konzeption für Ihr Angebot
- Sie bereiten eine belastbare Entgeltkalkulation vor
- Sie treten gegenüber dem Leistungsträger fachlich fundiert auf
Referent*innen:
Die Referent*innen nehmen sich Zeit für Ihre individuellen Fragestellungen und gehen gezielt auf die Situation in Ihrer Einrichtung ein. Gern können Sie Ihre Fragen bereits vorab schriftlich einreichen, damit diese im Seminar aufgegriffen und praxisnah beantwortet werden.
Methoden
Sie erwartet eine Verbindung aus fachlichen Vorträgen, moderierter Diskussion und zahlreichen Praxis- und Fallbeispielen. Rechtliche Grundlagen, Kalkulationsschritte und Konzeptbausteine werden verständlich aufbereitet und anhand konkreter Konstellationen aus der teilstationären Erziehungshilfe nachvollziehbar gemacht. Es besteht durchgehend Raum für Rückfragen und den Austausch eigener Erfahrungen.
Zielgruppe
Angesprochen sind Leitungen und Fachkräfte von Leistungserbringern der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere Geschäftsführungen, Bereichs- und Einrichtungsleitungen sowie pädagogische Fachkräfte, die eine Tagesgruppe planen, aufbauen oder weiterentwickeln. Ebenso profitieren Mitarbeiter*innen aus Verwaltung und Controlling, die für Vereinbarungen und Entgeltverhandlungen zuständig sind, sowie Fachkräfte der Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Das Onlineseminar eignet sich auch für Gründer*innen, die ein neues teilstationäres Angebot etablieren möchten. Die Teilnahme erfolgt bequem von Ihrem Arbeitsplatz aus, eine stabile Internetverbindung genügt.