Programm
Wer die Zahlen seiner Einrichtung sicher liest, verhandelt bessere Entgelte, steuert die Auslastung wirksam und sichert die wirtschaftliche Zukunft seiner Angebote in der stationären Erziehungshilfe und der Eingliederungshilfe.
Leistungserbringer in den stationären Kinder- und Jugendhilfen und in der Eingliederungshilfe stehen unter wachsendem wirtschaftlichem Druck. Steigende Personal- und Sachkosten, tarifliche Entwicklungen, Fachkräftemangel und schwankende Belegung treffen auf ein Vergütungssystem, das jede Kostensteigerung erst nach Verhandlung refinanziert. Wer die eigenen Zahlen nicht laufend im Blick hat, gerät bei Entgeltverhandlungen und in der Liquiditätsplanung schnell ins Hintertreffen.
Für die stationären Hilfen zur Erziehung bilden die Vereinbarungen nach den §§ 78a ff. SGB VIII den Rahmen, in dem Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsentwicklungsvereinbarungen prospektiv ausgehandelt werden. In der Eingliederungshilfe hat das Bundesteilhabegesetz die Systematik grundlegend umgestellt und mit den §§ 123 ff. SGB IX eigene Vereinbarungen über Leistung und Vergütung geschaffen, die Fach- und Grundleistungen trennen und die personenzentrierte Bedarfsermittlung in den Mittelpunkt stellen. Für die Praxis der Leistungserbringer bedeutet das, dass jede Kalkulation nachvollziehbar, belegbar und verhandlungsfest aufgebaut sein muss.
Ein tragfähiges Controlling verbindet diese rechtlichen Vorgaben mit einer belastbaren Kosten- und Leistungsrechnung. Es macht sichtbar, welche Gruppe kostendeckend arbeitet, wie sich Auslastung und Fehlbelegung auswirken und an welchen Stellschrauben Sie in Verhandlungen ansetzen können.
In diesem kompakten Halbtagsseminar lernen Sie, die zentralen Kennzahlen Ihrer Einrichtung zu ermitteln, zu interpretieren und für die Steuerung zu nutzen. Sie gewinnen Sicherheit in der Kalkulation von Entgelten und Vergütungen und können Ihre Positionen gegenüber den Kostenträgern fundiert begründen.
Das halbtägige Seminar vermittelt praxisnah und gebündelt die Grundlagen eines wirksamen Controllings für stationäre Angebote. Behandelt werden folgende Schwerpunkte.
- Grundbegriffe des Controllings und ihre Bedeutung für soziale Einrichtungen
- Aufbau einer aussagekräftigen Kosten- und Leistungsrechnung im stationären Bereich
- Kalkulation von Entgelten nach den §§ 78a ff. SGB VIII
- Kalkulation von Vergütungen nach den §§ 123 ff. SGB IX unter den Bedingungen des BTHG
- Wie berechnen Sie einen belastbaren Personalkostensatz
- Welche Rolle spielt die Auslastung für Ihre Wirtschaftlichkeit
- Umgang mit Fehlbelegung, Leerständen und Belegungsschwankungen
- Liquiditätsplanung und Sicherung der Zahlungsfähigkeit
- Zentrale Kennzahlen und ihre Interpretation im Alltag
- Wie bereiten Sie sich mit Zahlen auf Entgeltverhandlungen vor
- Aufbau eines schlanken Berichtswesens für Leitung und Geschäftsführung
- Abgrenzung von Grund- und Fachleistungen in der Eingliederungshilfe
- Welche Daten benötigen Sie für ein wirksames unterjähriges Monitoring
Referent*innen:
Dr. Frank Plaßmeyer: Dipl. Betriebswirt, Geschäftsführender Gesellschafter der IJOS GmbH
Nicole Brockmann: Stellvertretende Geschäftsfeldleitung Entgelt- und Refinanzierungsberatung, Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen (M.A. ausstehend), Gesundheitsmanagement (B.A.), Industriekauffrau
Die Referent*innen nehmen sich Zeit für Ihre individuellen Fragestellungen und gehen auf die konkrete Situation Ihrer Einrichtung ein. Sie können Ihre Fragen bereits vorab schriftlich einreichen, damit diese im begrenzten Zeitrahmen des Halbtagsseminars gezielt aufgegriffen werden.
Methoden
Das halbtägige Live-Webinar verbindet verständliche Fachvorträge mit gemeinsamer Diskussion und ausgewählten Praxis- und Fallbeispielen aus der stationären Erziehungshilfe und der Eingliederungshilfe. Anhand konkreter Kalkulationsbeispiele arbeiten Sie an nachvollziehbaren Rechenwegen und übertragen die Inhalte unmittelbar auf Ihre eigene Praxis. Das kompakte Format bündelt die zentralen Inhalte in einem konzentrierten Vormittag oder Nachmittag.
Zielgruppe
Das Seminar richtet sich an Geschäftsführungen, Leitungskräfte, Verwaltungs- und Finanzverantwortliche sowie an Fach- und Bereichsleitungen von Leistungserbringern der stationären Hilfen zur Erziehung und der Eingliederungshilfe. Angesprochen sind Wohngruppen, Einrichtungen und Dienste ebenso wie Gründer*innen, die ein neues Angebot wirtschaftlich tragfähig aufbauen möchten. Vorkenntnisse im Controlling sind nicht erforderlich, das Halbtagsseminar bietet einen fundierten und zugleich zeitökonomischen Einstieg.