Programm
Vergütungsverhandlungen entscheiden über die wirtschaftliche Grundlage Ihrer Angebote, und genau hier prallen unterschiedliche Interessen, Fristen und Erwartungen aufeinander.
Leistungserbringer in der Kinder- und Jugendhilfe und in der Eingliederungshilfe stehen unter wachsendem Druck. Steigende Personal- und Sachkosten, tarifliche Entwicklungen und begrenzte öffentliche Haushalte treffen in den Verhandlungen mit den Kostenträgern unmittelbar aufeinander. Wo sachliche Argumente auf angespannte Budgets stoßen, entstehen Konflikte, die weit über die reine Zahlenfrage hinausreichen und die künftige Zusammenarbeit belasten können.
Der rechtliche Rahmen prägt diese Auseinandersetzungen. In den Kinder- und Jugendhilfen bilden die Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsentwicklungsvereinbarungen nach den §§ 78a ff. SGB VIII die Grundlage, kommt keine Einigung zustande, entscheidet die Schiedsstelle nach § 78g SGB VIII. In der Eingliederungshilfe hat das BTHG mit den Regelungen der §§ 123 ff. SGB IX das Vertragsrecht neu geordnet, die schriftliche Vereinbarung nach § 125 SGB IX umfasst Leistung und Vergütung, während § 128 SGB IX die Kürzung der Vergütung betrifft und die Wirtschaftlichkeits- und Qualitätsprüfung nach § 128 in Verbindung mit § 129 SGB IX zusätzlichen Druck erzeugt. Für Sie als Leistungserbringer bedeutet das, dass Sie fachliche, betriebswirtschaftliche und rechtliche Argumente sicher verknüpfen müssen, um Ihre Position tragfähig zu vertreten.
Hinzu kommen Zielkonflikte, die typisch für dieses Feld sind. Prospektive Kalkulation trifft auf die Forderung nach Nachweisen, der externe Vergleich wird unterschiedlich ausgelegt, und persönliche Spannungen am Verhandlungstisch verschärfen sachliche Differenzen. Wer diese Dynamik erkennt, kann Eskalationen vorbeugen und auch schwierige Gespräche zu einem tragfähigen Ergebnis führen.
In diesem Onlineseminar lernen Sie, Vergütungsverhandlungen strategisch vorzubereiten, Konflikte frühzeitig zu erkennen und kommunikativ zu steuern.
Sie stärken Ihre Verhandlungssicherheit, ordnen die rechtlichen Rahmenbedingungen richtig ein und erhalten konkrete Werkzeuge für ein professionelles Eskalationsmanagement bis hin zum Schiedsstellenverfahren.
Das Seminar behandelt die folgenden Schwerpunkte:
- Grundlagen der Vergütungsverhandlung nach den §§ 78a ff. SGB VIII und den §§ 123 ff. SGB IX
- Wie bereiten Sie Ihre Verhandlungsposition strategisch und datengestützt vor?
- Prospektive Kalkulation, Plausibilität und der externe Vergleich als Argumentationsbasis
- Typische Konfliktmuster zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern erkennen und einordnen
- Welche Rolle spielen Interessen, Positionen und Machtasymmetrien am Verhandlungstisch?
- Kommunikationstechniken für schwierige Gesprächssituationen und emotional aufgeladene Momente
- Deeskalation und Gesprächsführung, wenn Verhandlungen zu scheitern drohen
- Wie reagieren Sie souverän auf Druck, Verzögerungstaktik und einseitige Forderungen?
- Umgang mit der Kürzung der Vergütung nach § 128 SGB IX und mit Prüfverfahren
- Ablauf und Erfolgsfaktoren des Schiedsstellenverfahrens nach § 78g SGB VIII und § 133 SGB IX
- Wann lohnt sich die Anrufung der Schiedsstelle und welche Alternativen bestehen?
- Dokumentation, Fristen und Nachweispflichten rechtssicher gestalten
- Nachbereitung von Verhandlungen und die Sicherung einer tragfähigen Zusammenarbeit
Sie verfolgen im Seminar insbesondere die folgenden Ziele.
- Sie gehen mit einer klaren Verhandlungsstrategie und belastbaren Argumenten in Ihre Gespräche
- Sie steuern Konflikte aktiv und wahren dabei die Beziehung zum Kostenträger
- Sie ordnen die rechtlichen Optionen bis zum Schiedsstellenverfahren sicher ein
- Sie stärken Ihre persönliche Souveränität in Drucksituationen
Methoden
Das Onlineseminar verbindet fachliche Vorträge mit moderierten Diskussionen und zahlreichen Praxis- und Fallbeispielen aus den Kinder- und Jugendhilfen und der Eingliederungshilfe. Verhandlungssituationen werden anhand konkreter Konstellationen durchgesprochen, sodass Sie Strategien und Kommunikationstechniken unmittelbar auf Ihre eigene Praxis übertragen können. Die Referent*innen nehmen sich Zeit für individuelle Fragestellungen, und Sie können Ihre Fragen gerne bereits vorab schriftlich einreichen, damit diese im Seminar aufgegriffen werden.
Zielgruppe
Das Seminar richtet sich an Geschäftsführungen, Leitungskräfte, Fachkräfte und Verhandlungsverantwortliche bei Leistungserbringern in den Kinder- und Jugendhilfen und in der Eingliederungshilfe, etwa in stationären und teilstationären Einrichtungen, in ambulanten Diensten sowie in Wohn- und Beschäftigungsangeboten. Angesprochen sind ebenso Mitarbeiter*innen aus Controlling, Verwaltung und Qualitätsmanagement, die an Vergütungsverhandlungen mitwirken. Auch Gründer*innen, die neue Angebote aufbauen und erstmals Vereinbarungen mit den Kostenträgern schließen, profitieren von den vermittelten Grundlagen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, für die Teilnahme benötigen Sie lediglich einen internetfähigen Computer mit Kamera und Mikrofon.